Norwegen bestreitet nach 28 Jahren wieder ein WM-Spiel — und die Erwartungen sind hoch. Mit Erling Haaland, Martin Ødegaard und einer offensiv starken Mannschaft soll gegen Außenseiter Irak ein souveräner Auftakt her. Doch die Rollenverteilung könnte trügerisch sein: Irak hat in den vergangenen Wochen gezeigt, dass sie gegen stärkere Gegner bestehen können. Das 1:1 gegen eine rotierte spanische Nationalmannschaft war kein Zufall, sondern das Ergebnis einer disziplinierten Defensivarbeit.
Der Druck liegt auf Norwegen
Norwegen muss gewinnen — zumindest dem eigenen Anspruch nach. Frankreich und Senegal warten später in der Gruppe, sodass ein Remis gegen Irak bereits als Punktverlust gelten würde. Diese Drucksituation kann lähmend wirken, gerade für ein Team ohne jüngere WM-Erfahrung. Gegen Marokko begann Norwegen schleppend, leistete sich frühe Ballverluste und geriet in Rückstand. Gegen Irak, das sich auf eine kompakte 4-4-2-Formation zurückziehen wird, könnte sich dieses Muster wiederholen. Solbakken warnte selbst vor den Gefahren zentraler Umschaltmomente.
Iraks Stärke: die Defensive
Irak hat in den letzten fünf Spielen nur zwei Gegentore kassiert — darunter ein Gegentor gegen Spanien im gesamten Spiel. Die Mannschaft von Graham Arnold ist taktisch gut geschult und spielt mit einem Höchstmaß an Disziplin. Der Trainer spricht vor dem Turnier von „keinem Druck“ — eine psychologische Entlastung, die es seinen Spielern erlaubt, sich voll auf die Verteidigung zu konzentrieren. Zudem kehrt Torhüter Jalal Hassan nach seiner Verletzung zurück, was die Abwehr zusätzlich stabilisiert.
Norwegens Offensive mit Fragezeichen
Haaland ist nach eigener Aussage wieder in Form, doch wie effektiv ist er gegen eine dichte Abwehr? Norwegen muss Wege finden, um durch die tief stehenden Iraker zu kommen. Ødegaard und Nusa sind die Schlüsselspieler, doch wenn Irak die zentralen Räume zustellt und die Außen konsequent doppelt, könnte Norwegen in Geduldsspiel geraten. Der Ausfall von Jørgen Strand Larsen (krank) reduziert zudem die Optionen in der Spitze — ein wichtiger Faktor, falls Haaland früh ausgewechselt oder bewacht wird.
Ein Spiel auf Messers Schneide
Das 0:0 zur Halbzeit wäre für Irak ein Erfolg — und für Norwegen eine mentale Prüfung. Meulensteen, Co-Trainer des Irak, sagte selbst: „Je länger es 0:0 bleibt, desto größer wird der Glaube unserer Mannschaft.“ Genau diese Dynamik spricht für ein Remis. Der Buchmacher mag Norwegen als Favoriten sehen, doch die Quote von 7,07 für das Unentschieden spiegelt das wahre Kräfteverhältnis nicht wider. Die Kombination aus Iraks Defensivstärke und Norwegens Drucksituation macht diese Wette wertvoll.





