Die Quotenmacher haben sich anscheinend von den jüngsten Kantersiegen der Belgier komplett berauschen lassen. Fünf Treffer gegen Tunesien, sieben Hütten gegen Liechtenstein – das liest sich auf dem Papier natürlich herrlich. Aber mal ehrlich, das waren glorifizierte Trainingseinheiten! Die Buchmacher bewerten diese Schützenfeste massiv über und zeichnen das Bild einer unaufhaltsamen belgischen Offensivmaschine. Doch sobald der Gegner richtig Gegenwehr leistet und die Räume engmacht, sieht die Realität völlig anders aus.
Das gigantische Loch in der Sturmspitze
Der Markt übersieht hier die mit Abstand wichtigste Personalie dieser Partie: Romelu Lukaku ist offensichtlich nicht fit genug für die Startelf und bleibt vorerst auf der Bank! Das krempelt die gesamte Spieldynamik radikal um. Ohne den wuchtigen Stoßstürmer, der Bälle im gegnerischen Sechzehner festmacht und die Abwehrreihen physisch zermürbt, verliert Belgien sein entscheidendes Faustpfand. Stattdessen wird die hochgelobte, aber eher leichtgewichtige Kreativabteilung um Kevin De Bruyne und Jeremy Doku versuchen müssen, sich spielerisch durchs enge Zentrum zu kombinieren. Gegen einen tief stehenden und extrem bissigen Außenseiter führt genau das meistens zu frustrierendem Ballbesitz ohne jeglichen Ertrag. Schon beim überraschend zähen Nullnummer-Gekicke gegen Nordmazedonien offenbarte Belgien enorme Probleme, wenn das Zentrum vernagelt ist.
Gefährliche Nadelstiche der Pharaonen
Wer die Nordafrikaner als dankbaren Aufbaugegner betrachtet, hat seine Hausaufgaben absolut nicht gemacht. Die Truppe von Trainer Hossam Hassan weiß ganz genau, wie man technisch überlegene Teams in die Verzweiflung treibt. Man erinnere sich nur an die bemerkenswerte Leistung gegen Spanien, als sie leidenschaftlich die Null hielten. Die Ägypter werden Beton anrühren, taktisch diszipliniert verteidigen und dem Favoriten den Nerv rauben.
Und hier wird es richtig ungemütlich: Mit Mohamed Salah und Omar Marmoush haben die Pharaonen zwei absolute Raketen auf dem Rasen, die in der Umschaltbewegung jeden Fehler bestrafen können. Da die Belgier ohnehin mit Umbauarbeiten in der Hintermannschaft kämpfen und unter anderem auf Abwehrchef Zeno Debast verzichten müssen, ist die Anfälligkeit für schnelle, steile Konter praktisch vorprogrammiert.
Die pure Logik gegen fiktive Traumtore
Natürlich bringt Belgien unterm Strich immer noch mehr individuelle Klasse mit und könnte dieses Auftaktspiel am Ende irgendwie auf seine Seite zwingen. Aber der lockere Spaziergang mit einem Favoritensieg auf dem Silbertablett? Völlige Fehlanzeige! Das Spiel verspricht von der ersten Minute an taktische Schwerstarbeit und einen massiven Abnutzungskampf. Ein knapper Sieg der Europäer ist möglich, doch ein Triumph mit mehreren Toren Vorsprung riecht purer Fantasie. Wir lassen uns von der Nostalgie der goldenen Generation nicht blenden.





